Saturday, August 05, 2006

Abeds Libanon Fahnen

Wir sitzen wieder in Abeds Internet-Cafe. Abed will die erste unabhaenige Kurzfilm-Produktionsfirma in Syrien gruenden. Er hat Journalismus studiert, dann ein Jahr beim syrischen Fernsehen gearbeitet. Dort hat es ihm aber nicht sonderlich gefallen. Mit seinem Uni-Professor hat er im letzten Jahr eine Webseite Freedom of Speech in Syrien aufgebaut. Vor Abeds Internetcafe findet man die einzigen Libanon Fahnen ueberhaupt. Zwei an der Zahl. Dazwischen liegt ein Buch, in das Vorbeigehende ihre Gedanken zum Libanon-Krieg hineinschreiben koennen. Eine schoene Idee, eine schoene Geste. Besser als bei den Laeden etwas weiter vorne, wo man ueber israelische Flaggen gehen muss - die Gasse ist so schmal, man kommt nicht um die Flaggen herum. Abed aergert sich fuerchtlich ueber die Typen, die diese Idee hatten. Er muss jetzt immer eine Umweg gehen, damit er in den anderen Teil der Alstadt gelangen kann. Er gehe sicher nicht ueber Flaggen. Menschen werden irgendwo in dieser Welt geboren. Er habe nichts gegen Israelis. Man muss zwischen Menschen und Politik unterscheiden. ... Es tut gut, Abed reden zu hoeren. Ein gescheiter, etwas schuechterner, aber ambiotionierter junger Mann. ... Aehnlich wie Mazen Kerbaj, mit dem ich so viele lange Diskussionen gefuehrt habe in den letzten Monaten und letztes Jahr. Meistens ueber Musik, dann aber auch ueber seinen Sohn, ueber Freundschaft, ueber alles moegliche. Heute hat Mazen wieder einmal einen so schoenen und treffenden Eintrag auf seinem Blog (mazenkerblog.blogspot.com) aufgeschaltet:

to an israeli interviewer
You have called me today to request an interview for an Israeli newspaper. Here is my answer.you want to interview me about the music we are keeping going in beirut today.in other times, i would have liked to be interviewed by an israeli newspaper to talk about my music and my drawings. i would have probably said for a start that i never imagined the israeli people like green people with antennas. i would have talked about the free jazz and the improvised and experimental music scene in lebanon. i would have said that beirut is most probably the closest city in the world to tel aviv and that the musicians and artists of both cities have a lot in common. at least the weather, not to speak about the mediterranean way of life and the high concentration of intellectuals, artists, thinkers and free men in both cities.today that i have the occasion to say whatever i want, i do not wish to do so. today, instead of playing music with my friends musicians in Beirut and in the whole world, i am playing with the israeli air force. and this, i do not accept. today, i sadly do not feel we have the same weather anymore. beirut is getting hotter every day. and this, i do not accept.today, i am beginning to believe that there is not so much free men in israel. i tend to think more and more that the majority of the israelis are really green with antennas on their heads. and this, you shouldn't accept.today, i do not wish to speak anymore.thank you for listening to this “nothing” i ended up by saying.


Genau hier liegt die Gefahr. Anna und ich kennen sooo viele Menschen hier, die nichts gegen Israelis haben. In Amsterdam war ich letztes Jahr an einer Konferenz, an der die israelische und die Beiruti Soundszenen aufspielten. Die Kuenstler tauschten sich aus, einige standen danach in Email-Kontakt, tauschten MP3-Files aus. Diese Hardliner-Politik droht all dies auszuloeschen. Neben den so vielen Menschen, die zu viel getoetet werden, ist es vor allem der Glaube an eine bessere Welt, der Glaube an Kommunikation, der Glaube an Diskussion, der mit den Bomben vor die Saeue zu gehen droht ... Ich suche seit Tagen, jetzt drei Wochen schon, nach einer Idee. Nach einer Idee, wie man irgendwie erreichen koennte, dass differenzierte Sichtweisen, "weiche" aber kritische Ansichten, das Ruder der Welt uebernehmen koennten. Ich weiss, ich bin nicht der einzige, der nach Ideen sucht. Und ich weiss, dass meine Worte, wenn ich jetzt weiterschreiben wuerde, schwammig und unklar werden. Ich weiss, dass ich irgendetwas "falsches" oder "unkorrektes" schreiben wuerde. So dass jemand denken wuerde, "der ist ja so utopisch", oder, "das ist doch einfach ein netter, naiver, kulturrelativistischer Ethnologe". Anna hat auf ihren Beitrag zu Christen in der Bekaa-Ebene einen Kommentar abgekriegt, in dem steht, "sind Christen denn bessere Menschen als Muslime?" Sicher nicht! Was soll das? Wir schreiben hier spontan, wir schreiben schnell, wir schreiben uns den Frust ueber diese Region und ueber diese Welt aus der Seele. Ich lese meine Texte nicht mehr durch, wenn ich sie mal geschrieben habe. Darum gibt es auch immer wieder Fehler. Fehler, Fehler und Fehler. Wie kann man Menschen erreichen und was veraendern? Man muesste an die Emotionen appelieren und gleichzeitig sehr scharfsinning und kritisch sein. Individuelle Geschichten mit Weltpolitik verknuepfen. Von dieser und der anderen Seite sprechen. Und gleichzeitig nicht alles gut finden. Wie kann Weltpolitik Freundschaften zerstoeren und Menschen auseinander treiben! Wie koennen persoenliche Beziehungen wegen politische Utopien (oder politischem Irsinn) aufgeloest werden! Das ist was wir nicht zulassen duerfen! Wir muessen am differenzierten Bild festhalten ... denn Menschen sind Menschen ueberall. Und so unterschiedlich sind wir nun alle auch nicht ..... (ach ich weiss auch nicht, meine Saetze aergern mich schon wieder. Ich irre herum, finde den Faden nicht.... Thomas

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